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25. März 2001 — 38 Jahre

Willi Worg (38) wird am 25. März 2001 in Milzau von einer rechten Fünfergruppe tödlich verletzt.

In der Nacht zum 25. März 2001 wird der 38-jährige Willi Worg in Milzau, einem Ortsteil von Bad Lauchstädt (Saalekreis) von fünf Jugendlichen und jungen Männern im Alter von 14 bis 23 Jahren zusammengeschlagen. Drei Tage später stirbt Willi Worg im Klinikum Merseburg an seinen schweren Verletzungen. Fast alle Organe im Bauch sind gerissen.

Willi Worg hatte eine Zeit lang als Bauarbeiter gearbeitet und war frühzeitig verrentet. Er wird als ruhige Person beschrieben, die jedem Streit aus dem Wege ging. Er hinterlässt eine Schwester.

In der Nacht zum Samstag war Willi Worg zunächst mit Freunden in einem Lokal. Anschließend zog er noch alleine weiter in die örtliche Diskothek „Chic“, wo er an der Theke auf den 19-jährigen Soldaten Jan G. traf. Dieser fragte ihn erbost, ob der 38-Jährige Anzeige gegen ihn erstattet habe. Denn gerade zwei Wochen zuvor war G. eine Anklage wegen Fahrens ohne Fahrererlaubnis und unterlassener Hilfeleistung zugestellt worden: Bereits sieben Monate war es nun her, dass der Onkel Jan G.s auf dem Heimweg von derselben Diskothek gegen 2 Uhr nachts den stark alkoholisiert auf der Fahrbahn liegenden Willi Worg mit seinem PKW überrollt und eine kurze Strecke mitgeschleift hatte. Jan G. war – ebenfalls alkoholisiert und ohne Fahrererlaubnis – mit einem Moped hinter seinem Onkel her gefahren. Doch weder der Onkel noch Jan G. selbst kümmerten sich um Hilfe für den offensichtlich schwer Verletzten, der fünf Wochen im Krankenhaus behandelt werden musste.

Tritte mit Springerstiefeln

Willi Worg ignorierte die Frage G.s, der daraufhin aggressiv wurde und Willi Worg unter anderem mit den an den Wirt gerichteten Worten „Nimm den weg, der stinkt!“ beleidigt. Als der 38-Jährige gegen 4 Uhr bezahlte beschloss Jan G., Willi Worg als Strafe für die Anzeige zusammenzuschlagen und auszurauben. Hierüber verständigte er sich noch in der Diskothek mit vier weiteren Rechten, die den 38-Jährigen zum Ausgang verfolgten und ihn nach wenigen Metern draußen einholten. G. brachte Willi Worg sofort mit einem kräftigen Faustschlag ins Gesicht zu Boden, wo ihm sein 14-jähriger Begleiter einen wuchtigen Tritt in den Bauch versetzte. Dann schleifte die Gruppe Willi Worg auf eine etwas abseits gelegene Wiese, wo sie ihn erfolglos nach Geld durchsuchten.

Schließlich traten der 14- und der 20-Jährige mit ihren Springerstiefel massiv auf den regungslos am Boden Liegenden ein. Anschließend gingen die Angreifer zurück in die Disko, wo sie weiter Alkohol tranken. Erst vier Stunden später, gegen 8:30 Uhr, wurde Willi Worg – durch den anhaltenden Regen stark unterkühlt – von einem Nachbarn gefunden, ins Klinikum Merseburg gebracht und sofort notoperiert. Drei Tage später starb Willi Worg im Krankenhaus an einer Bauchfellentzündung infolge seines zerrissenen Zwölffingerdarms. Fast alle seine inneren Organe waren zerrissen oder zerquetscht worden.

„Unpolitische Rache“

Die Staatsanwaltschaft Halle sprach von „unglaublicher Brutalität“ und zählte die Täter zur rechten Szene, einige von ihnen waren schon vorher u.a. wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen polizeilich aufgefallen. Dennoch vermutete die Behörde unpolitische „Rache“ wegen der vorher gegangenen Anzeige. Außerdem hätten die Schläger von Willi Worg Geld verlangt, bevor sie ihn traktierten. So lautete die Anklage auf versuchten Raub und Körperverletzung mit Todesfolge.

„Regelrecht zertreten“

Die Jugendkammer des Landgerichts Halle bewertete die Motivation der Täter anders. Am 13. November 2001 wurden der 14- sowie der 20-jährige Angeklagte wegen Mordes, die anderen Angeklagten wegen Beihilfe zum Mord und alle fünf zudem wegen versuchten Raubes mit Todesfolge zu Haftstrafen zwischen vier und acht Jahren verurteilt. In der Urteilsbegründung sagte die Vorsitzende Richterin, die Täter hätten Willi Worg „regelrecht zertreten“. Die Kammer sehe einen Zusammenhang zwischen der brutalen Tat und der rechten Gesinnung der Schläger. „Erst in der Gruppe, die die Gewalt und die Morde der Altvorderen verherrlicht, bekamen sie die Einstellung, eine solch furchtbare Sache zu machen“, so die Richterin. Geltungsbedürfnis und falsch verstandene Kameradschaft, gepaart mit Menschenverachtung und Gleichgültigkeit, hätten zu der Tat geführt. Als Jan G. im Prozess von der Richterin gefragt wurde, ob er sich während der Untersuchungshaft Gedanken gemacht habe, bejahte er und ergänzte, er habe sich ein Hakenkreuz auf den Bauch tätowieren lassen.

Der ehemalige Landesinnenminister Klaus-Jürgen Jeziorsky (CDU) sagte im Juli 2002 in einem Interview dem Fernsehmagazin Panorama für einen Beitrag über offiziell nicht-anerkannte Todesopfer rechter Gewalt, die Sicherheitsbehörden werteten Worgs Tod als politisches Delikt.

Willi Worg wird von der Landes- und Bundesregierung nicht offiziell als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt.