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1. August 2008 — 50 Jahre

Hans-Joachim Sbrzesny (50) wird am 1. August 2008 in Dessau von zwei Neonazis tödlich misshandelt.

Der 50-jährige Hans-Joachim Sbrzesny aus Halle/S. lebte und schlief aufgrund einer psychischen Erkrankung immer wieder im öffentlichen Raum. In der Nacht zum 1. August 2008 wird er von zwei polizeibekannten und wegen Gewaltdelikten vorbestraften Neonazis in einem kleinen Park am Hauptbahnhof von Dessau getötet.

„White Power“ und Hass auf „Unterbemittelte“

In der Nacht vom 1. August hatte sich Hans-Joachim Sbrzesny zum Schlafen auf eine Parkbank in der Nähe des Dessauer Hauptbahnhofs hingelegt. Gegen 1 Uhr nachts fanden ihn dann die beiden Neonazis Sebastian K. (23) und Thomas F. (34) dort. Die beiden Männer hatten zuvor mit Freunden im Stadtpark von Dessau Alkohol getrunken und waren dann auf der Suche nach Opfern zu einem Streifzug durch die Stadt aufgebrochen. Der ärmlich angezogene Hans-Joachim Sbrzesny lag zu diesem Zeitpunkt schon schlafend auf einer Parkbank. Als die beiden Rechten ihn dort sahen, stellten sie ihre Fahrräder ab und schlugen dem wehrlosen 50-Jährigen zunächst unvermittelt mit Fäusten ins Gesicht. Dann traten sie auf den Kopf des nunmehr am Boden liegenden Opfers ein. Vor allem Sebastian K. ging dabei mit extremer Brutalität vor. Unter anderem schlug er auch mehrfach mit einem mehr als fünf Kilogramm schweren Müllbehälter aus Metall auf den Oberkörper des am Boden Liegenden ein. Durch die Gewalt der Schläge erleidet Hans-Joachim Sbrzesny tödliche Quetschungen am Herz und an der Lunge. Er stirbt noch am Tatort.

Anwohner alarmieren die Polizei, die die beiden Täter in unmittelbarer Nähe des Tatortes festnimmt. Der 34-jährige Thomas F. war als Teilnehmer von NPD-Veranstaltungen aufgefallen und trägt bei der Festnahme einen Pullover der bei Aktivisten der rechten Szene beliebten Marke „Thor Steinar“ sowie eine „White Power“-Tätowierung. Auf den Handys der beiden Männer finden die Ermittler unter anderem Hakenkreuze, die Parole „Juden sind unser Unglück“ und Lieder neonazistischer Bands wie „Zillertaler Türkenjäger“ und „Sturmwehr“. Die Staatsanwaltschaft Dessau stellt in der Anklage fest, die Täter hätten eine „tiefe innere Miss- und Verachtung“ für Hans-Joachim Sbrzesny empfunden und deshalb „aus ihrem Gefühl der Überlegenheit“ heraus den Entschluss gefasst, ihn zu töten. Im Prozess berichtet ein Zeuge, Sebastian K. habe ihm gegenüber in der Untersuchungshaft das Opfer einen „Unterbemittelten“ genannt, der es „nicht anders verdient“ habe.

„Schlechte Laune“ als Motiv?

Das Landgericht Dessau jedoch sieht für den tödlichen Angriff auf Hans-Joachim Srbzesny jedoch kein rechtes Motiv und verurteilt am 17. April 2009 beide Angeklagten wegen Mordes „aus einem sonst niedrigen Beweggrund“. Sebastian K. habe „schlechte Laune“ gehabt, Thomas F. „akzeptierte diesen Beweggrund auch für sein Handeln“. Sebastian K. wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, Thomas F. kommt mit zwölf Jahren davon – wegen seiner mutmaßlich hohen Alkoholisierung zur Tatzeit.

Öffentliches Gedenken am 11. Juni 2014 um 17 Uhr vor dem Hauptbahnhof Dessau

Am „Tag der Erinnerung“ findet am 11. Juni 2014 erstmals in Dessau auch ein öffentliches Gedenken an Hans-Joachim Sbrzesny statt. Nach der Gedenkveranstaltung für Alberto Adriano, der am 11. Juni 2000 im Stadtpark von Dessau von drei Neonaziskins tödlich verletzt worden war, wird Kirchenpräsident Joachim Liebig am Park vor dem Hauptbahnhof unmittelbar am Tatort um 17Uhr eine Gedenkrede für Hans-Joachim Sbrzesny halten. Die Organisatoren hoffen, dass sowohl Passant_innen als auch Interessierte zu dieser Gedenkfeierlichkeit kommen werden.

Hans-Joachim Sbrzesny wird von der Landesregierung nicht offiziell als Opfer rechter Gewalt anerkannt.